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Alternative Finanzierungsmöglichkeiten: Finetrading

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25.06.2020 | Hintergrundwissen

Alternative Finanzierungs-möglichkeiten: Finetrading

FINETRADING als Ausweg für Liquiditätsengpässe?

Ein Thema, das mir bei der Zusammenarbeit mit Startups immer wieder begegnet und mir besonders am Herzen liegt, ist die ausreichende Versorgung mit Liquidität. Leider können clevere Jungunternehmer mit guten Ideen aufgrund von Liquiditätsengpässen häufig nicht das Potential ihrer Geschäftsideen ausnutzen oder gehen im Extremfall sogar pleite. Nicht jeder hat das Glück, einen verlässlichen und geduldigen Finanzpartner wie einen Business Angel an seiner Seite zu haben, der unkompliziert Kapital zur Verfügung stellt und selbst hinter der Geschäftsidee steht. Es müssen also andere Wege gefunden werden, das Wachstum des eigenen Unternehmens zu finanzieren. Vor allem die naheliegendste Variante, eine klassische Finanzierung über die eigene Hausbank, scheidet für viele Start-Ups schon aus. Neben einem komplizierten und umständlichen Beantragungsprozess, bei dem Unternehmer gezwungen werden, “die Hosen runter zu lassen”, werden häufig persönliche Sicherheiten oder Bürgschaften verlangt, die die Haftungsbeschränkung einer GmbH oder Ähnlichem aushebeln. Nicht zuletzt wurde der Zugang zu Krediten durch regulatorische Änderungen (Stichwort Basel II u. III) für (junge) Unternehmen in jüngster Zeit deutlich erschwert.1) Eine interessante und zudem bankenunabhängige Finanzierungsform ist das Finetrading, was ich euch in meinem ersten Wissensartikel vorstellen möchte. Wer ein Startup besitzt, das mit physischen Waren handelt und sich bisher noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat, sollte den folgenden Teil daher genau lesen, da es sich hierbei um eine äußerst attraktive und flexible Alternative handelt.

Inhaltsverzeichnis

  • Was genau ist Finetrading?
  • Was sind die Vorteile?
  • Für wen eignet sich Finetrading?
  • Was kostet Finetrading?
  • Was sind die Nachteile?
  • Mein Fazit

    Was genau ist Finetrading?

    Beim Finetrading (deutsch auch Wareneinkaufsfinanzierung) handelt es sich um eine Finanzierung von Waren und Rohstoffen (Umlaufvermögen). Der Begriff ist eine Wortschöpfung aus “finance” (Finanzierung) und “trading” (Handel). Der geldgebende Finetrader agiert als Intermediär und finanziert für das Unternehmen den Wareneinkauf vor, welches auf Basis der Verkaufserlöse zu einem späteren Zeitpunkt den Kredit zurückzahlen kann. Es handelt sich um ein Handelsgeschäft, welches somit nicht BaFin-pflichtig ist und dadurch deutlich weniger Papierkram verursacht. Die typischen Laufzeiten eines Finetrading-Geschäfts liegen in der Regel zwischen drei und sechs Monaten, wobei die Tilgung entweder zum Laufzeitende oder bereits monatlich laufend erfolgt.

    Was sind die Vorteile?

    Für das Finetrading sprechen zunächst einmal der vergleichsweise geringe bürokratische Aufwand bei der Beantragung sowie die Flexibilität. Da die zu finanzierende Ware als Sicherheit dient, werden keine weiteren Sicherheiten oder sogar eine persönliche Haftung verlangt. Wer einmal eine Einkaufslinie erhalten hat, kann dann flexibel Rechnungen einreichen und finanzieren lassen. Viele Anbieter bieten moderne Onlineplattformen oder sogar Apps an und vereinfachen den Prozess damit enorm. Grundsätzlich erweitert eine Einkaufsfinanzierung die gestalterischen Spielräume des Unternehmers. Er kann somit besser auf Schwankungen der Nachfrage (Saisonalität wie z.B. Weihnachtsgeschäft) und des Angebots (volatile Einkaufspreise) reagieren und damit seinen Einkauf relativ unabhängig vom tatsächlichen Verkaufszeitpunkt der Ware optimieren. Zudem kann er teilweise bessere Einkaufskonditionen aushandeln oder Skonti erhalten.

    Für wen eignet sich Finetrading?

    Finetrading eignet sich vor allem für Unternehmen in Wachstumsphasen, die überdurchschnittlich schnell und flexibel Liquidität benötigen. Dies trifft besonders auf kapitalintensive Branchen zu, in denen die Einkaufskosten einen Großteil der Ausgaben ausmachen. Dabei gilt: je niedriger die Lagerhaltungskosten, desto eher können aus einem fremdfinanzierten Einkauf und einer damit einhergehenden vermehrten Lagerhaltung Vorteile gezogen werden. Auch wer auf dem klassischen Kreditmarkt nicht ohne weiteres an Kredite kommt, generell den aufwändigen Beantragungsprozess scheut oder eine mögliche private Haftung vermeiden möchte ist hier gut aufgehoben. Aus meiner Erfahrung lohnt sich Finetrading besonders auch für kleinere Startups mit überschaubarem Finanzierungsbedarf. Entgegen den im Internet verbreiteten Informationen sind viele Anbieter nämlich nicht erst ab Beträgen oberhalb von € 100.000, sondern gerade am Beginn einer Zusammenarbeit vor allem an kleineren Beträgen in der Größenordnung von € 20.000 bis 60.000 interessiert.

    Was kostet Finetrading?

    Genau wie bei Bankkrediten kann man hier natürlich keine pauschale Antwort geben, da die Risikobewertung sehr individuell ist und die wenigsten Anbieter konkrete Zinskonditionen veröffentlichen. Entgegen klassischer Darlehen hängt die Bewertung jedoch deutlich weniger von der Bonität des Unternehmens, sondern viel stärker von der zu finanzierenden Ware ab. Je einfacher der Finetrader im Insolvenzfall des Unternehmens die Ware selbst verkaufen kann, desto günstigere Konditionen kann er auch anbieten. Wer also eine gute Sales-Historie und beispielsweise einen gut laufenden Amazon-Shop vorweisen kann, ist hier eindeutig im Vorteil. Die tatsächlichen Kosten setzen sich meistens aus einem Fixkostenanteil (Service- oder Transaktionsentgelt, Einrichtungsgebühr, Provision, …) und einer laufenden variablen Verzinsung zusammen. Üblicherweise liegen diese bei 1% bis 2% fix plus monatlich 0,3% bis 2%. Es handelt sich also um eine große Schwankungsbreite. Aus meiner persönlichen Erfahrung lassen sich bestenfalls Gesamtkosten von 1% bis 1,5% pro Monat erreichen. Eine Anmerkung noch: Lasst euch aufgrund der Zinsangaben auf Monatsbasis nicht von den niedrigen Zahlen täuschen. Aus einem monatlichen Zins von “nur” 2% wird (mit Zinseszins) mal eben ein Jahreszins von rund 27%, was die meisten sicherlich als Wucher bezeichnen würden …

    Was sind die Nachteile?

    Bei all den Vorteilen möchte ich euch auch auf die Nachteile aufmerksam machen, die es zu beachten gibt. Zunächst einmal ist es ein relativ undurchsichtiger Markt mit vielen Anbietern, von denen einige selbst noch nicht lange am Markt tätig sind und teilweise etwas unprofessionell auftreten. Zudem unterscheiden sich die Gebührenmodelle stark voneinander und die meisten Anbieter veröffentlichen keine konkreten Zahlen oder nur eine sehr ungenaue Gebührenspanne. Dies erschwert den Vergleich der Anbieter untereinander. Denn wer möchte schon bei allen Anbietern nach einem konkreten Angebot fragen und dafür überall Unternehmensinterna wie BWA, HR-Auszug oder Jahresabschlüsse herausgeben, geschweige denn, so viel Zeit investieren? Auch die Gebühren und Zinsen sind teilweise recht hoch, müssen aber im richtigen Kontext gesehen werden: Bei einem Start-Up, das mit der entsprechenden Menge an Fremdkapital jährlich im dreistelligen Prozentbereich wachsen kann, spielt es eine eher untergeordnete Rolle, ob die Zinsen bei 15% oder 20% p.a. liegen – Hauptsache, das Wachstum wird nicht durch Kapitalengpässe behindert.

    Mein Fazit

    Finetrading ist eine attraktive Finanzierungsform unabhängig vom klassischen Bankensektor. Flexibel, modern und schnell wie das Startup selbst kann das Unternehmen damit optimal im Wachstumsprozess unterstützt werden. Denn darum geht es letztendlich nur: Wachstum! Es sollte dennoch klar sein, dass es sich beim Finetrading weniger um eine Dauerlösung handelt als um ein vorübergehendes Finanzierungskonzept, das, zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt, ein echter Wachstumsbooster sein kann. Letztendlich geht es darum, herauszufinden, ob Finetrading die passende Finanzierungsform in der aktuellen Unternehmensphase ist, und den richtigen Anbieter mit dem passenden Modell zu finden. Hierfür ist eine gründliche Prüfung sowie idealerweise eine gewisse Branchenerfahrung unentbehrlich. Für weitere Informationen könnt ihr mich auch gerne direkt ansprechen. Aus eigener Erfahrung kenne ich viele Anbieter am Markt und teile gerne meine Erfahrungen. Bei Bedarf kann ich auch einen Kontakt herstellen. 

Ihr habt Fragen, Anregungen, Verbesserungsvorschläge oder einfach nur interessante Ideen? Schreibt mir doch an blog@dein-virtueller-cfo.de und ich beantworte gerne eure Fragen.

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